Asylgesuch in Kanada 2005, Teil 1
Die Idee ein Asylgesuch zu stellen entstand erst nach meinem
ersten Selbstmordversuch vom 7.7.2004. Man stellt sich natürlich
oft die Frage, ob man wirklich alles versucht hat und meist schiebt
man die Schuldfrage aus Selbstschutz auf andere ab. Man kann
sich streiten ob es Sinn macht in der heutigen globalisierten
Weltordnung ein Asylantrag am anderen Ende der Welt (Vancouver)
zu stellen.
Ich kaufte mir also ein Ticket und wollte von Düsseldorf aus nach
Kanada fliegen. Eine Unterkunft für 2 Wochen hatte ich auch gebucht.
Am Flughafen in Düsseldorf wurde ich am 14.7.2005 bei der
Gepäckkontrolle gefragt, was ich den in Kanada machen wollte.
Ich konnte mir die Wahrheit mal wieder nicht verkneifen und
meinte lakonisch "Asyl beantragen".
Der Sicherheitsbeamte war wenig überrascht, ich hingegen umso
mehr als man mich nicht nach Kanada fliegen ließ.
Also musste ich noch einmal buchen und mein zweiter Versuch nach
Kanada mit gültigen Tickets zu gelangen war im September. Ich hatte
wieder für 2 Wochen gebucht, doch dieses Mal auch mit Rückflugticket.
In Frankfurt gab es keine Fragen und bei der Ankunft in Vancouver hielt
ich mich an die Anweisung nichts von einem Asylgesuch zu erwähnen.
Ich machte 2 Wochen Urlaub und stellte dann ein Asylgesuch.
Ich wurde dann in einer Wohnung von einer kanadischen Einwanderungs-
organisation untergebracht und wartete auf mein erstes Asylgespräch.
Als eine Gruppe Asylanten erwartet wurde, bat man mich eine Weile
in die Jugendherberge auszuweichen, wo ich die Bekanntschaft mit
einem deutschen Paar machte und wir auch ab und zu gemeinsam
etwas machten.
Dann hatte ich mein erstes Gespräch für mein Asylgesuch. Der Über-
setzer war eigentlich ganz nett. Da keine Trinkbecher vorhanden waren,
bastelte er mir einen Kegel aus papierähnlichem Material aus welchem
ich dann etwas Trinken konnte.
Meine Strategie dieses Asylgesuchs war lediglich die illegale Überwachung
zu beanstanden und keinerlei schwer nachweisbare Geschichten über
Gedankenkontrolle zu erzählen. Ich erzählte also von den Vorkommnissen
unter Verwendung meines Computers wenige Tage vor meinem
Selbstmordversuch vom 7.7.2004.
Merkwürdigerweise übersetzte der Übersetzer meine Schilderung
absichtlich falsch, so dass ich ihn korrigieren musste.
Das Gespräch wurde im Computer festgehalten und ich bekam nach dem
Gespräch Formulare, welche ich ausfüllen und an die zuständige Behörde
schicken sollte. Man sagte mir, dass das ganze Asylverfahren ca. 1 Jahr
dauern würde. Mir schien es nicht mehr unbedingt die beste Idee zur Lösung
meiner Probleme zu sein und ich suchte einen Anwalt auf, welche auf das
Recht der Privatsphäre und Information spezialisiert war.
Dieser riet mir an alle Behörden zu schreiben, welche für meine Überwachung
in Frage kommen könnten und sagte mir, dass er ohne psychiatrisches Gutachten
nichts für mich tun könne....